Psychische Belastungen
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- Kategorie: Betriebliche Gesundheitsförderung
- Veröffentlicht am Samstag, 20. August 2011 14:16
- Geschrieben von Michael Nickel
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Psychische Gesundheit im Erwerbsleben
»Dienstleistung und Depression statt Industrie und Arbeitsunfall«?
Würde man einen Vergleich bemühen wollen, könnte man mit einem Satz wie diesem die aktuelle Entwicklung der arbeitsweltbezogenen Erkrankungen wohl am treffendsten beschreiben.
Das Thema psychische Gesundheit am Arbeitsplatz ist derzeit in aller Munde – hier liest man von steigenden Fehlzeiten, dort von zunehmendem Stress und seinen Folgen. Dennoch handelt es sich bei den psychischen Störungen um ein Thema, bei dem vielfach noch Verunsicherung herrscht, auch wenn es um die Möglichkeiten der Prävention im Betrieb geht.
Psychische Störungen lassen sich nicht immer auf den ersten Blick als solche erkennen, da es sich teilweise um sehr komplexe Erkrankungsbilder handelt. Beschäftigte, Personalverantwortliche und Führungskräfte fühlen sich daher häufig ratlos. Ein offener Umgang mit der Thematik fällt den meisten schwer. Wie und wodurch psychische Störungen genau entstehen, ist bis heute nicht eindeutig klar.
Vereinfacht gesprochen geht man davon aus, dass psychische Störungen das Ergebnis der Wechselwirkung von belastenden Ereignissen oder Lebenssituationen und einer bestimmten individuellen »Verletzlichkeit« einer Person sind.
Dabei können die persönlichen Bewältigungsmöglichkeiten und der soziale Rückhalt ebenso eine Rolle spielen wie Faktoren im privaten, gesellschaftlichen und betrieblichen Kontext.
Das bedeutet nichts anderes, als dass jeder Mensch psychische Symptome entwickeln kann – immer dann, wenn die gegebenen Bedingungen entsprechend hohe Belastungen verursachen.
Fakten für Deutschland
• Im Jahr 2007 lagen psychische Störungen mit 9,3 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage auf Platz 4 der wichtigsten Krankheitsgruppen. Ihr Anteil ist damit gegenüber dem Vorjahr um 0,4 Prozent gestiegen.
Von den Arbeitunfähigkeitsfällen 2007 entfielen 3,9 Prozent auf psychische Störungen.
Das heißt, trotz eines insgesamt rückläufigen Krankenstands haben psychische Störungen in den letzten Jahren zugenommen.
Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage:
xxxxxxxxxxxxxxxxxx 17,5 % Sonstige
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx 26,4 % Muskeln/Skelett
xxxxxxx 6,7 % Verdauungssystem
xxxxxxxxxxxxxxx 14,5 % Verletzungen
xxxxxxxxx 9,3 % Psych. Störungen
xxxx 4,0 % Kreislaufsystem
xxxx 4,0 % Infektionen
xxxxxxxxxxxxxxxx 15,7 % Atmungssystem
(Quelle: BKK Bundesverband)
Anzahl der Arbeitsunfähigkeitsfälle:
xxxxxxxxxxxxxxxxx 16,8 % Sonstige
xxxxxxxxxxxxxxxxx 17,4 % Muskeln/Skelett
xxxxxxxxxxxxx 13,3 % Verdauungssystem
xxxxxxxxx 9,2 % Verletzungen
xxxx 3,7 % Psych. Störungen
xxx 2,7 % Kreislaufsystem
xxxxxxxx 8,2 % Infektionen
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx 28,8 %Atmungssystem
(Quelle: BKK Bundesverband)
• Affektive Störungen sind innerhalb der durch psychische Störungen verursachten Fehlzeiten die häufigste Diagnosegruppe, gefolgt von den Angststörungen. Betrachtet man die Häufigkeit psychischer Störungen in der Allgemeinbevölkerung, zeigt sich ein umgekehrtes Muster: Angststörungen sind verbreiteter als affektive Störungen. Da Angststörungen jedoch wesentlich seltener zu einer Krankschreibung führen, als beispielsweise eine mittelschwere depressive Episode, tauchen sie in den Statistiken seltener auf.
•Viele der Beschäftigten, die an einer Depression oder Angststörung erkranken, gehen trotz Beschwerden weiterhin zur Arbeit und suchen erst sehr spät professionelle Hilfe auf. Für Unternehmen bedeutet das in der Konsequenz: deutlich spürbare Produktivitätseinbußen durch Präsentismus, weil die Betroffenen weniger leistungsfähig sind als gewohnt.
•Psychische Störungen haben einen erheblichen Anteil am Langzeit-Arbeitsunfähigkeitsgeschehen. Mit 13 Prozent liegen sie auf Platz 3 der häufigsten Diagnosegruppen. Bei den Frauen stehen psychische Störungen als Ursache einer Langzeit-Arbeitsunfähigkeit sogar an zweiter Stelle. Die bedeutendste Diagnose sind auch hier wieder affektive Störungen, vor allem depressive Episoden.
•Psychische Störungen stellen die häufigste Ursache für krankheitsbedingte Frühberentungen dar. In der ersten Jahreshälfte 2007 ging circa jede dritte der neuen Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit auf eine psychische oder Verhaltensstörung zurück.
Psych. Störungen
Krankheiten von Skelett/ Muskeln/Bindegewebe
Neubildungen
Krankheiten des Kreislaufsystem
Krankheiten des Nervensystems
Sonstige Krankheiten
(Quelle: Statistik der Deutschen Rentenversicherung)
•Psychische Störungen verursachen beträchtliche Kosten. Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes beliefen sich allein die direkten Krankheitskosten im Jahr 2004 auf knapp 23 Milliarden Euro. Die damit einhergehenden potentiellen Verluste für die Volkswirtschaft, die aus Arbeitsunfähigkeit, Invalidität oder vorzeitigem Tod resultieren, wurden für 2004 auf rund 651 000 verlorene Erwerbstätigkeitsjahre geschätzt, 36 000 mehr als zwei Jahre zuvor.
•Psychische Störungen sind unabhängig vom Alter. Für Unternehmen heißt dies wiederum, dass sowohl jüngere als auch ältere Arbeitnehmer gleichermaßen davon betroffen sein können.
•Im Vergleich zu Männern erkranken Frauen fast doppelt so häufig an einer psychischen Störung. Männer erfüllen dagegen häufiger die Kriterien für eine psychische Störung aufgrund von Alkohol- oder Substanzmissbrauch.
•Psychische Störungen treten selten allein auf. Geschätzt wird, dass in fast der Hälfte aller Fälle neben der Hauptdiagnose gleichzeitig mindestens eine andere psychische Störung vorliegt. Auch für somatische Beschwerdebilder wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Muskel-Skelett-Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen (Diabetes) oder chronische Schmerzen konnten Zusammenhänge mit psychischen Störungen nachgewiesen werden.
Was sind eigentlich psychische Störungen?
Eine einheitliche Definition lässt sich schwer finden, da sich hinter dem Begriff eine Gruppe sehr komplexer, klinisch bedeutsamer Verhaltens- und Erlebensmuster verbirgt, die sich sowohl auf der neurobiologischen, kognitiven, affektiven, motorischen als auch sozialen Ebene manifestieren können. In jedem Fall gehen psychische Störungen jedoch für die Betroffenen mit erheblichem Leiden, einer Beeinträchtigung in einem oder mehreren Funktionsbereichen (beispielsweise in den sozialen Beziehungen) einher oder sind mit einem stark erhöhten Risiko, früher zu sterben, Schmerz zu erleiden oder einem teilweisen bis hin zu einem tief greifenden Verlust an Freiheit (etwa einem Beruf nachzugehen) verbunden.
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